Jannik Giger





JG

In Krypta treten Dirigenten und Orchester auf, die Hohepriester und Ministranten des kunstreligiösen Musikbetriebs. Jannik Giger nimmt das politische Bewusstsein von Nonos Musik zum Anlass seiner Installation. In seinen bisherigen Arbeiten thematisierte er immer wieder die Machtverhältnisse und das Machtgefälle in der klassischen Musik, die durch bestimmte Codes, Verhaltensweisen und Rituale geprägt sind. In seinem Werk «Orchester» zum Beispiel hatte er aus zahllosen historischen Interpretationen Versatzstücke enteignet und eine orchestrale Fata ­Morgana geschaffen. Diesmal nun inszeniert Giger eine imaginäre Orchesterprobe und gesellt einem neuen fiktiven Orchester einen Chor aus Stimmen berühmter Dirigenten des patriarchalen Orchesterbetriebs hinzu. Vielleicht wird dabei eine musikbetriebliche Variante zu Nonos berühmter Tonbandkomposition «La fabbrica illuminata» entstehen, ein Dokument zur undemokratischen Orchesterweltindustrie. (Thomas Meyer)

Thomas Meyer